Donnerstag, 26.01.2017, 19:30 Uhr

Die Frau und die Stadt Eine Nacht im Leben der Gertrud Kolmar von Gerlind Reinshagen

  • Schauspiel
Theater und Konzerthaus Solingen
Studiobühne
Eintritt: 16,10 €
  • + Schauspiel Abo
Die Frau und die Stadt (26.01.2017 19:30)

Inhalt

An einem ihrer letzten Berliner Tage besteigt Gertrud Kolmar im Morgengrauen die Siegessäule, um zu springen, um Schluss zu machen, selbstbestimmt, wenn auch nicht aus freien Stücken. Schließlich steigt sie wieder herunter. Sie hat beschlossen, durchzuhalten. Dieser fiktive innere Monolog erzählt nicht nur von Bedrohung und Angst, sondern auch von der Liebe zu dieser Stadt und dem Mut, sich unter widrigsten Umständen persönliche Freiräume abzustecken. Gertrud: „… wenn du – um eine Sache ganz zu schaffen – die Treppe hinauf und wieder hinunter gemusst hast, wird es dir mit allem, was du dir ausdenkst, was du anstrebst, so gehen.“

Das Wichtigste war für mich vor allem die Frage: Wie läuft ein Künstlerschicksal unter einem Zwangsregime ab? Wie haben sich andere – Schriftsteller, Schauspieler etc.- damals verhalten, wie hättest du selbst unter solchen Umständen reagiert? Hättest du den Mut gehabt, deinem Lebensentwurf zu folgen? Hättest du Kompromisse geschlossen? (Gerlind Reinshagen 2007)

Ließe Gerlind Reinshagen ihre literarische Figur den Selbstmord vollziehen, wäre ihr neuer Text nur einer unter vielen in der Literatur fiktiver Biographien geworden.
Doch ihre Figur steigt von der Siegessäule wieder herunter. Sie beschließt durchzuhalten. Mit dieser Entscheidung Kolmars, oder besser gesagt Reinshagens, avanciert dieses rhythmische Prosastück zur Ode an die Selbstbefreiung: Die Dichterin entscheidet sich, ihr Leben bis zum letzten Augenblick zu leben. Sie kämpft sich von Todesängsten frei und dichtet weiter. (Marina Neubert 2008)

„Die Frau und die Stadt. Eine Nacht im Leben der Gertrud Kolmar“, wurde 2008 von der Darmstädter Akademie für Sprache und Dichtung zum Buch des Monats gewählt und 2010 von der „Deutschen Akademie der Darstellenden Künste“ zum „Hörspiel des Monats Januar“ .

Gertrud Kolmar, geboren 1894 in Berlin, ermordet 1943 in Auschwitz, zählt neben Else Lasker-Schüler, Nelly Sachs und Rose Ausländer zu den größten deutschen Lyrikerinnen unseres Jahrhunderts.

Freuen Sie sich auf einen intensiven und tiefgehenden Theaterabend in der intimen Atmosphäre unserer Studiobühne.

ohne Pause
Ende 20:50 Uhr

Mitwirkende

Produktion bbt bewegtbildtheater

Koproduktion Les Théatres de la Ville de Luxembourg, Stadttheater Fürth, Theater Chur Schweiz

Mit: Martina Roth

Regie, Bühne, Bewegtbild, Klangbild: Johannes Conen

Fotos

Video

Veranstalter

Kulturmanagement Solingen