Adieu Hans Knopper

 

Nach 33 Jahren hat sich Hans Knopper, Leiter des Kulturmanagements, in den Ruhestand verabschiedet. Wie kaum ein anderer prägte Hans Knopper das kulturelle Leben der Stadt als Ideengeber und Förderer. Vera Franke wollte es nochmal genauer wissen und hat ihn in seinem Wohnsitz in Neuss zum Gespräch getroffen.

Vera Franke: Sie sind in Düsseldorf aufgewachsen. Wie gelangten Sie nach Solingen?

Hans Knopper: Ich kam im Oktober 1986 im Zuge einer sogenannten Arbeitsbeschaffungsmaßnahme ins Deutsche Klingenmuseum. In den 1980er Jahren wurde in Deutschland die Museumslandschaft um ein weiteres Tätigkeitsfeld bereichert: neben der Sammlungs- und Forschungsarbeit
und der Ausstellungstätigkeit rückte die Wissensvermittlung an das Besucherpublikum stärker in den Vordergrund, und zwar nicht nur für das gebildete Publikum, sondern der Zugang zu dem, was ein Museum ausmacht und betreibt, sollte verständlich und eingängig allen erschlossen werden.
Die personelle Ausstattung der meisten Museen war darauf nicht ausgerichtet. Im Zuge der Museumspädagogik entstand für Historiker und Kunsthistoriker, der ich von Hause aus bin, ein weites Berufsfeld. Die AB-Maßnahmen wurden von den Arbeitsämtern unterstützt und boten den Museen die Möglichkeit, sich dieser neuen Aufgabe zu widmen. Im Dezember 1986 stieß dann Frau Dr. Grotkamp-Schepers dazu, die zunächst für den Bereich Bestecke zuständig war, während ich mich um die Kunst, d.h. den Kunstbesitz und um die Kunstausstellungen mit dem Flaggschiff der Bergischen Kunstausstellung, kümmerte.

Sehr bald stand der Umzug des Klingenmuseums aus dem Gräfrather Rathaus in den Klosterhof an und damit die Neukonzeption des Klingenmuseums. Ein museumspädagogischer Arbeitskreis wurde etabliert. Es gab auch einen Kunstbeirat, zu dem auch Max Kratz gehörte. In diesem Rahmen habe ich mich ausführlich mit der aktiven städtischen Künstlerschaft auseinandergesetzt. Der Beirat besuchte jährlich Künstler in ihren Künstlerateliers. Mit einem kleinen Etat wurden Kunstankäufe getätigt. Da konnte ich lernen, wie wichtig solche Ankäufe sind, um die Szene vor Ort zu festigen. Aus der Beschäftigung mit der städtischen Kunstsammlung ist dann der Begriff der Städtischen Galerie entstanden. Unter dieser Bezeichnung fanden alle Kunstausstellungen statt, bis die Kunst ins neue Museum Baden, dem jetzigen Kunstmuseum Solingen, ausgelagert werden konnte.

Franke: Wie waren Sie in die Neukonzeption und den Umzug des Klingenmuseums in den Klosterhof eingebunden?

Knopper: Das war spannend. Die Konzeption entstand im Team mit Frau Dr. Grotkamp-Schepers, Dr. Peter Joerißen vom Rheinischen Archiv- und Museumsamt, Dr. Hanns-Ulrich Haedeke und mir. Die Neupräsentation der Bestecksammlung war für die Konzeption des Museums prägend. Ich war unter anderem der Ansprechpartner für bauliche Belange wie Raumaufteilung und Größenzuschnitt. Die puristische Raumauffassung des Architekten stand der denkmalpflegerischen eigentlich entgegen, tat dem musealen Anspruch aber gut.

Franke: Wie kam es zum Wechsel ins Kulturmanagement, bzw. damals noch Kulturbüro?

Knopper: Auf Einladung von Frau Krings, der damaligen Kulturdezernentin. Sie hatte verschiedene Fachdienste in ihrem Ressort. Es war die Zeit des neuen Steuerungsmodells, der großen Umstrukturierung der Verwaltung, als man Verantwortungen klären wollte: wer in der Verwaltung beauftragt eigentlich wen, ist das effizient und was kostet das eigentlich alles? Das führte dann zu Gründungen zahlreicher städtischer GmbHs, die anders zu steuern waren als bisherige Ämter.

Dann saß ich da als Quereinsteiger in der Verwaltung des Ressorts 4, aber keiner hat sich für mich so richtig interessiert. Ich wollte ja Verantwortung übernehmen. Da habe ich mir einen Anzug gekauft. Da lief es dann besser und ich wurde in die GmbHs geschickt, um die Interessen der Stadt zu formulieren und zu vertreten. Als die Leitung des Kulturbüros 2001 neu zu besetzen war, wurde sie mir angeboten. Ich hab mich dann mit Herrn Mäurer beraten, der schon im Stadtdienst Kulturbüro tätig war, ob wir das zusammen schaffen, und er hat genickt. Genau 10 Jahre später, 2011 kam als Ergebnis von mehreren Workshops und Orga-Untersuchungen die Zusammenlegung von Hallenmanagement und Kulturbüro zustande. Ich wurde Leiter des neuen Stadtdienstes Kulturmanagement.

Franke: Welchen Veränderungen begegneten Sie mit dem Wechsel vom Kunstmuseum ins Kulturmanagement?

Knopper: Mir ist der Wechsel von der Kunst in die Kulturverwaltung nicht leicht gefallen. Ich hatte mich immer mit Räumen beschäftigt. Dann habe ich begriffen, im Museum waren nur einige Räume zu bespielen, jetzt habe ich die ganze Stadt zur Verfügung. Und dann bin ich mit Veranstaltungen rausgegangen in die alte Zollhalle, auf den Gräfrather Marktplatz, ins Schwimmbad Birkerstraße, in die öffentlichen Räume rund um den ehemaligen Haupt- und Nordbahnhof und in die alte Schalterhalle des ehemaligen Hauptbahnhofs. Das wurde auch von der Bevölkerung als positives Sig-
nal wahrgenommen, hat sich aber wegen des enormen technischen Aufwandes nicht verstetigt.Einen gravierenden Unterschied zum Museum gab es in Bezug auf die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter: im Museum habe ich vieles selbst gemacht, am Wochenende Stellwände versetzt, Statistiken erstellt, Ausstellungen mit den Künstlern aufgebaut, Beschilderungen angebracht. Im Theater und Konzerthaus hatte ich mit einem Mal Leute zur Verfügung, die sagten, Herr Knopper, wenn Sie sagen, das ist notwendig, dann machen wir das. So war es auch: Die Erledigung erfolgte durchaus nicht unkritisch, aber mit viel Freude und Engagement für die Sache und – Theatertechniker erkennen Qualität. Wenn ein Regisseur mit klaren Vorstellungen seiner Performance kommt und überzeugend ist, sind sie in der Lage, mit jemand ganz fremdem ein erfolgreiches Team zu bilden. Daraus ist dann eine Haltung zum Haus entstanden, die sagt: „ja, die Qualität ist gut, jetzt müssen nur noch mehr Leute kommen.“ Dann haben wir die Marketing-Abteilung aufgestockt und das Team vergrößert. Das habe ich dem Verwaltungsleiter Jörg Pauli zu verdanken, der meinen manchmal verkopften Gedanken zu einer realisierbaren Struktur verhalf.

Franke: Was war die größte Herausforderung?

Knopper: Wenn man ein großes Doppelhaus übernimmt, fällt es am Anfang schwer, dafür eine Perspektive zu entwickeln, weil die Zusammenhänge einerseits unübersichtlich sind und die notwendigen Abläufe wie in Stein gehauen wirken. Der Gestaltungsraum ist tatsächlich relativ klein, denn künstlerisch kann ich nichts verändern. Die Produktionen, die wir anbieten, sind ja mit Ausnahme der Eigeninszenierungen fertig. Bleibt nur, die Wirkung
des Hauses zu formen.

Hier habe ich mich rückbesonnen auf die Entstehungszeit in den 1960er Jahren und das Haus entrümpelt. Immer schon fehlte dem Haus ein vernünftiger Personenaufzug, aber ich sah lange keine Möglichkeit, das zu ändern. Dann legte das Land ein Stadtentwicklungsprogramm für die Kommunen auf, mit dem einzelne Quartiere entwickelt werden sollten. Solingen profitierte mit der Nordstadt davon. Die Quartiersgrenze ging mitten entlang durch die Konrad-Adenauer-Straße. Dann hab ich gesagt, wieso hört das Quartier denn gerade da auf, wo auf der anderen Seite ein bedeutender Ort der Stadt liegt, nämlich das Theater und Konzerthaus? Im Zuge der Umfeldverbesserung ist es dann gelungen, zum Quartier hinzugerechnet zu werden und in die Berechtigung der Förderung zu gelangen. Damit war der Aufzug aber noch nicht gebaut, denn jetzt musste die Tochter des Architekten Hans-Joachim Budeit noch ihr urheberrechtliches Einverständnis für die bauliche Veränderung geben. Das hat sie auch getan mit der Auflage, dass der Aufzug zur Architektur passen müsse. Damit war der Weg für den zeitlosen gläsernen Aufzug frei.

Ich denke, man muss auf günstige Gelegenheiten warten können. Bei der baulichen Entwicklung half mir auch ein bisschen Glück. Interesse für Architektur ersetzt nämlich keine bauliche Sachkunde. Dazu brauchte es einen Architekten. Den hatte ich aber plötzlich wegen der Sanierung von Schloss Burg im Hause. Diese Sanierung erforderte eine eigene Abteilung, die organisatorisch glücklicherweise anfangs im Kulturmanagement angesiedelt war. Untaugliche Ideen haben die Kollegen sofort aussortiert.

Franke: Wie sehen Sie das Kulturmanagement für die Zukunft aufgestellt?

Knopper: Der Reflektionsgrad der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Hauses ist hoch. Die grundlegenden Probleme der Kulturarbeit in einem solchen Programmtheater sind ihnen bewusst. Die Neuentwicklung kreativer Ideen wird deshalb nicht lange auf sich warten lassen. Die projektierte Erarbeitung eines Zukunftskonzeptes wird die Entwicklungsmöglichkeiten ganz konkret aufzeigen. Die noch bessere Einbindung der Bergischen Symphoniker in die Ausstrahlung des Hauses als Kultureinrichtung kann unter einer neuen Führung des Hauses frischen Auftrieb bekommen. Für all das wünsche ich allen Beteilig-
ten eine glückliche Hand.

 


 

Foto: Andreas Deus


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